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. Ein Brustkrebs und sein Verlauf, Erfahrungsbericht von Erika Rusterholz
Die anfängliche Empfehlung, die Mikroverkalkungen herausoperieren zu lassen und demzufolge mit einer grösseren Einbuchtung in der rechten Brust zu leben, fand ich gar nicht gut. Regelmässig zur Mammographie zu gehen, machte mir hingegen nichts aus. Heute weiss ich, dass diese Mikroverkalkungen schon früher hätten untersucht werden sollen, weil solche die Vorstufe von Krebs sein können.

Dann, im Frühling 2003, wurde die linke Brustwarze samt Warzenhof dunkelrot und schmerzte. Ich machte mir zwar Sorgen deswegen, unternahm aber nichts. Nach etwa einem Monat war nichts Aussergewöhnliches mehr zu sehen. War das vielleicht schon der Anfang zu den bevorstehenden Ereignissen?

Im Juli 2003, mittlerweile 67 Jahre alt, ertastete ich eine komische längliche Verdickung in der linken Brust, knapp unter der Haut, etwa 3 mm im Durchmesser und über 1 cm lang. Einen Monat später informierte ich meinen Hausarzt darüber. Er meinte, es gebe gerne Verhärtungen des Gewebes bei älteren Frauen, ich solle mich im Spätherbst wieder melden. Das habe ich Ende Oktober 2003 auch getan, denn nun war bereits ein erbsgrosser, gut verschieblicher Knoten aus der Verdickung entstanden, sehr gut tastbar in der linken Brust im oberen, äusseren Bereich.

Die Mammographie fand dann am 11. November statt. Unter Ultraschallkontrolle wurden vom Knoten zwei Proben (Stanzbiopsie) entnommen und zur Untersuchung eingesandt. Ende November stand die schriftliche Diagnose fest, dass kein Karzinom feststellbar sei. Ich war sehr beruhigt, ich hatte doch keinen Krebs.

Der Röntgen- und der Hausarzt meinten jedoch, dieser Knoten müsste herausoperiert werden, das Gewebe dort sei malignom(krebs)-verdächtig. Ein Gynäkologe am nahen Spital riet kurz vor Weihnachten zu einer "Lumpektomie links mit gleichzeitiger Exzision des Mikrokalks rechts". Er werde grosszügig herausschneiden, es gebe dann halt eine Delle, aber dies sei besser als ein Krebsgeschwür. Er glaube nicht, dass der Knoten karzinomfrei sei, wie das die Diagnose aussage.

Gab es da wohl noch eine andere Lösung?
Am 29. Dezember 2003 suchte ich in einem Nachbardorf einen zweiten Gynäkologen auf mit der Frage, ob der Knoten ambulant entfernt und untersucht werden könne, um festzustellen, ob er überhaupt schon vom Krebs befallen sei. Er verneinte, er würde jedoch im Spital den Knoten herausschneiden und zur Schnellschnittuntersuchung einsenden. Je nach Ergebnis würde er die Operation beenden oder, bei der Diagnose "Krebs", mit der Operation fortfahren und auch gleich die Achsellymphknoten entfernen. Am Silvester hatte ich bereits die Anmeldung für einen Spitaleintritt in Händen. - Für mich war das nun schwer zu verkraften.

Den mittlerweile gut 1 cm dicken Knoten hätte ich schon gerne entfernen lassen, er begann, mich sehr zu beschäftigen. Ich stellte mir dies jedoch ambulant vor, ohne eigentliche Operation. Ich war ja immer noch überzeugt, der Knoten sei gutartig laut obiger Diagnose. Ein Spital stand für mich noch nicht im Vordergrund.

Ich wohne in einer ländlichen Gegend und informierte mich nun im Internet über Möglichkeiten zur ambulanten Entfernung des Knotens. Ich las während des Neujahrs sehr viel über verschiedene Biopsie-Arten, auch darüber, dass heutzutage die Achsellymphknoten bei der Diagnose Brustkrebs nicht mehr automatisch entfernt werden, da die Nebenwirkungen, speziell die eines Lymphödems im Arm, sehr gross sind.

Ich fand die Adresse eines Brustzentrums, das schien mir der richtige Ort zu sein für mein Anliegen. Am 5. Januar 2004 brachte ich die Mammographiebilder samt Diagnose vom 11.11.03 dorthin und bat, mir doch gleich den Knoten zu entfernen. Inzwischen hatte ich doch ein ungutes Gefühl deswegen bekommen, er war wieder etwas grösser geworden. Vielleicht war er doch nicht so gutartig, wie ich anhand der vorliegenden Diagnose angenommen hatte. Die VacuFlash-Biopsie fand unter Lokalanästhesie sofort statt.

Ein Druckverband, 48 Stunden um den Oberkörper geschlungen, sollte verhindern, dass sich Blut in der Höhle stauen konnte, welche durch die Knotenentfernung entstanden war. Leider hat sich schon während der ersten Nacht der Druckverband verschoben, so konnte sich ein Bluterguss rund um die Knotenstelle bilden. Dies sah schlimmer aus, als es war. Die verschiedenen farbigen Flecken wurden immer heller, zwischen Einstichstelle und Brustwarze bildete sich etwas später jedoch eine Verdickung: Ein Hämatom war entstanden, welches sich anfühlte, als wäre unter der Haut ein halbes gekochtes Hühnerei eingelagert.

8 Tage nach der Biopsie des Knotens zeigte die neue Diagnose: Der Knoten in der linken Brust war nun doch ein Krebs.

Auch von einem vergrösserten Lymphknoten in der linken Achsel musste eine Gewebeprobe entnommen werden, ebenfalls ambulant und unter Lokalanästhesie. Diese Diagnose zeigte noch keinen Krebsbefall.

Hier ist wichtig, zu wissen, ob die Achsellymphknoten schon befallen sind. Wenn ja, müssten diese dann bei der Operation ebenfalls entfernt werden. Falls ohne Befall, könnte bei der Operation eine Sentinel-(=Wächter)-Lymphknoten-Biopsie gemacht werden, damit die Nebenwirkungen vermieden werden können, welche meistens nach einer üblichen Entfernung der Achsellymphknoten auftreten.

 Auch die Mikroverkalkungen in der rechten Brust wurden genauer untersucht. Gewebeproben, ambulant und unter Lokalanästhesie, sollten Aufschluss geben. Aber so eindeutig war diese Diagnose nicht, ein neues Mammographiebild am 21.1.04 und Mammotome-Biopsien der Mikroverkalkungen rechts sollten hier Klarheit schaffen. Unter Röntgenkontrolle wurde die stereotaktische Vacuumbiopsie (Entfernung der Mikroverkalkungen) ambulant und unter Lokalanästhesie durchgeführt.

Eine Woche später: Die Diagnose der Mikroverkalkungen rechts ergab nun ebenfalls Krebs.

Ich denke zurück: sehr viel ungenutzte Zeit ist seit der ersten ertasteten Verdickung verstrichen, ich hätte schon im vorangegangenen August zur genaueren Abklärung an einen entsprechenden Spezialisten überwiesen werden sollen. Vielleicht wären zu jener Zeit die Gewebezellen noch gutartig gewesen. Aber weder der Hausarzt, noch die anderen konsultierten Ärzte, haben mich auf die beschriebenen Abklärungen aufmerksam gemacht, die auf so einfache Art und Weise durchgeführt werden können. Mittels Mammotome-Biopsie hätte ich die Mikroverkalkungen sicher früher schon entfernen lassen, Dellen in der Brust wären dadurch nicht entstanden. Denn vor einer Verunstaltung hatte ich ja Angst, auch als Seniorin ist mir eine schöne Brust noch sehr wichtig.

Und nun musste ich doch in ein Spital. Ich habe mir eines ausgesucht, welches auch die Sentinel-Lymphknoten-Biopsie durchführen konnte. Am 30. Januar 2004 wurde ich beidseits brusterhaltend operiert. Ich hatte insofern Glück, dass ich einen Operateur hatte, welcher die Brust nach der beidseitigen Segmentektomie wieder sehr schön formte. Ich habe nun nur noch eine kleine Brust vorzuweisen, mit den nach oben versetzten Brustwarzen ist das Aussehen sehr ästhetisch.

Des weiteren hatte ich Glück, dass die Achsellymphknoten nicht entfernt werden mussten, die Entfernung der Wächter-Lymphknoten in beiden Achselhöhlen genügte. Und die Skelett-Szintigraphie und Sonographie von Leber und Nieren zeigten keine Metastasen auf.

Nun waren Therapien vorgesehen:
Im April 2004 folgte eine fünfwöchige Bestrahlung. Die ist dringend nötig bei brusterhaltender Operation, damit alle eventuell noch vorhandenen Krebszellen abgetötet werden.
Frauen mit hormonempfindlichem Brustkrebs erhalten im Anschluss an die Behandlung fünf Jahre lang ein Medikament, das verhindern soll, dass das Hormon Östrogen noch vorhandene Krebszellen stimuliert. Somit erhalte ich eine adjuvante Therapie mit einem Aromatase-Hemmer über fünf Jahre, denn meine Krebszellen zeigten Positivität bei den Oestrogen- und Progesteron-Rezeptoren. Wegen einer früher aufgetretenen Beinvenen-Thrombose, darf ich Tamoxifen (wie sonst üblich bei brusterhaltender Operation) nicht einnehmen.

Die Nachsorge während der nächsten Jahre wird zeigen, ob der Brustkrebs erfolgreich bekämpft werden konnte.
Es geht mir seit längerem wunderbar  -  (abgesehen von gelegentlichen unliebsamen "Tiefs").

Allen Beteiligten, die zu meiner guten Genesung beigetragen haben, danke ich sehr herzlich!    -    Erika Rusterholz

 

Anmerkung der Redaktion:

Unter www.brustkrebsverlauf.info hat Frau Rusterholz ihre Erfahrungen detailliert mit Bildern dokumentiert. Wir weisen darauf hin, dass der Inhalt dieser Seiten ausschließlich die persönlichen Erlebnisse der Autorin wieder spiegeln. Es besteht kein Zusammenhang zwischen „www.frueherkennung-brustkrebs.de“ und den Seiten von Frau Rusterholz. Eine Haftung von nunet, Fuji oder den Redakteuren dieses Portals ist ausgeschlossen.

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