Eine Möglichkeit der sogenannten adjuvanten Therapie ist die Durchführung einer Chemotherapie. Sie wird heutzutage oft zusätzlich empfohlen, auch wenn es keine Anzeichen für eine Tumorstreuung im Körper gibt. Dennoch senken diese adjuvanten Maßnahmen, die zusätzlichen Maßnahmen zur Strahlentherapie oder Operation, das Risiko eines Rückfalls deutlich.
Adjuvant bedeutet, dass die Therapie der Operation angeschlossen wird. Es gibt aber auch die neoadjuvante Therapie, die vor der Operation durchgeführt wird. Sie wird beispielsweise bei großen Geschwülsten eingesetzt, um diese vor der Operation zu verkleinern und somit brusterhaltend operieren zu können.
Eine Chemotherapie ist bei Patientinnen, die keine hormonempfindlichen Zellen besitzen, die einzige Therapiemöglichkeit. Zur Chemotherapie werden zellteilungshemmende Medikamente, sogenannte Zytostatika, verwendet. Sie entfalten ihre Wirkung im Inneren der Zelle. Einige von ihnen schädigen das Erbmolekül DNS, so dass die Zelle abstirbt. Andere verhindern, dass Substanzen gebildet werden, die für die Vermehrung der Zellen nötig sind. Wieder andere blockieren Eiweißstrukturen, mit denen die Zelle die Teilung bewerkstelligt.
Heute gibt es über 20 verschiedene Zytostatika für die Behandlung von Brustkrebs. Häufig werden diese in einer Kombination aus verschiedenen Zytostatika eingesetzt, da sich gezeigt hat, dass sich die verschiedenen Zytostatika gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken können. Diese sogenannten Therapieschemata werden in Kürzeln, bestehend aus den Anfangsbuchstaben der Substanzen, angegeben.
So gibt es beispielsweise das AC-Schema, welches aus Adriamycin (Doxorubicin) und Cyclophosphamid besteht, oder das CMF-Schema welches sich aus den Substanzen Cyclophosphamid, Methotrexat und 5-Fluorouracil zusammensetzt.
Als wirkungsvollste Gruppe der Zytostatika in der Brustkrebsbehandlung zählen seit vielen Jahren die sogenannten Antrazykline. Dieser Gruppe gehören beispielsweise Daunorubizin, Doxorubizin und Epirubizin an. Anthrazykline schädigen das Erbmaterial von Zellen und Zellwand und hemmen somit die Teilungsfähigkeit von Zellen - die Voraussetzung für das Wachstum einer Geschwulst.
Nebenwirkungen der Chemotherapie
Der Nachteil herkömmlicher Zytostatika ist, dass sie nicht zwischen gesunden und entarteten Zellen unterscheiden, sondern ausnahmslos alle Zellen angreifen, die sich rasch teilen. Das sind im Körper beispielsweise die blutbildenden Zellen des Knochenmarks, die Zellen der Haarwurzel, Magen-, Darm- und Schleimhautzellen.
Daher sind die häufigsten Nebenwirkungen der Chemotherapie veränderte Blutwerte, Haarausfall, Verdauungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Weil der Körper durch die Chemotherapie sehr belastet wird, sind viele Frauen während der Behandlung sehr müde und fühlen sich schwach.
Auch die Bildung von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen kann durch die Chemotherapie gehemmt werden. Deshalb sind Patientinnen während einer Chemotherapie anfälliger für Infektionen und bekommen leicht Blutergüsse. Die meisten dieser Nebenwirkungen können heute verhindert oder zumindest abgemildert werden. Es gibt z.B. Medikamente – so genannte Antimetika – die Übelkeit und Erbrechen vorbeugen. Mit bestimmten Hormonen kann das blutbildende System unterstützt werden. In manchen Fällen sinken die roten Blutkörperchen so stark ab, dass Blutkonserven nötig werden.
Vielen Frauen hilft es, die Nebenwirkungen einer Chemotherapie nicht hilflos zu ertragen, sondern aktiv anzugehen. Das kann zum Beispiel ein Kurzhaarschnitt oder ergänzend der rechtzeitige Kauf einer Perücke sein. Auch wenn der Gedanke an künstliches Haar im ersten Moment erschreckend ist, hilft eine Perücke, die dem Abbild der eigenen Frisur angepasst ist, über den schmerzvollen Verlust der eigenen Haare hinweg. Viele größere Kaufhäuser führen entsprechende Abteilungen. Ansonsten geben Krebsberatungsstellen Auskunft über ein Perückengeschäft in der Nähe. Die Kosten werden zumindest teilweise auf Nachfrage von gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen.
Weitere Tipps für den Umgang mit Nebenwirkungen haben wir hier für Sie zusammen gestellt... Chemotherapie kombiniert mit Antikörpern
In den vergangenen Jahren ist in Studien auch die Bedeutung der Antikörpertherapie des Brustkrebses untersucht worden. Herceptin ist ein solcher Antikörper, der die sogenannten HER-2 Rezeptoren, Bindungsstellen auf Krebszellen, die das Wachstum der Zellen steuern, blockiert, hat gute Ergebnisse gezeigt. Die Behandlung mit Herceptin (Trastuzumab) hat nur bei den Frauen einen Sinn, deren Krebszellen die HER-2 Rezeptoren in großer Anzahl haben. Momentan ist Herceptin außerhalb von Studien nur bei Patientinnen mit weit fortgeschrittenem Brustkrebs zugelassen, die auf eine sonstige Therapie nicht angesprochen haben. Besonders bewährt hat sich die Kombination von Herceptin mit Zytostatika aus der Gruppe der Taxane.